1962 wurde ich bei der Deutschen Lufthansa in Magdeburg eingestellt. Zuerst arbeitete ich an der Ausrüstung der Flugzeuge für die Spritz- und Düngearbeiten. Dann wurde ich Stationsmechaniker für die Flugzeuge AN-2 und L-60.
Später absolvierte ich den Meisterlehrgang für Flugmotoren in Berlin Schönefeld und machte eine Schulung zum Boardmechaniker AN-2 in Leipzig Mockau, später die Schulung zum Flugzeugführer (1969). Mit den Flugzeugen AN-2, Z-37 und PZL-106 flog ich 10.371 Flugstunden bei 81.245 Starts.
Für mich gibt es nur ein Agrarflugzeug die Z-37 ist meine Einstellung. Besonders die ersten Jahre als Wanderarbeiter mit der AN-2 ohne Agrarflugplätze und das Schlafen im Gasthof, dem Lehrlingswohnheim oder auf der Bühne vom Kulturhaus sind unvergesslich.
Zwei AN-2 Piloten auf der Bühne vom Kulturhaus nahe dem Schachtdorf Ströbeck. Beide tragen noch eine Lufthansa-Mütze (Anfang der 60er Jahre)
Besonders den älteren Piloten mit ihrer reichen Lebenserfahrung, wie E. Körner, W. Süßmilch, H. Dietze und H. Voigt, G. Fischer, M. Stein usw., habe ich mein langes unfallfreies Fliegerleben zu verdanken, aber davon später.
Menschen lenken Flugzeuge, doch bei mir war es genau umgekehrt. Meine erste Erinnerung an Flugzeuge ist der Lärm der Bomber und der Flak im Luftschutzkeller des Wohnhauses.
Das Bild zeigt mich und meine kleine Schwester Ilse vor unserem Wohnhaus nach einem Luftrangriff auf Magdeburg. Links an der Litfaßsäule habe ich Granatsplitter von der Luftabwehr, die auf dem Flak-Turm positioniert war, gefunden und zu meiner Mutter in die Küche gebracht. Rechts neben dem Turm steht der Spitzbunker auf dem Gelände des damaligen Krupp-Werkes, später Thälmann-Werk.
Nach unserer Evakuierung aus Magdeburg nach Bülstringen am Mittellandkanal sah ich zum ersten Mal Flugzeuge. Ein großer Bomberverband wurde von einem einzelnen Jagdflieger angegriffen. Ein brennender Bomber stürzte ab und einige Fallschirme trieben im Wind davon. Ich erinnere mich noch an den Krater vom Bomber neben der Kanalbrücke. Er war nur 500 Meter von unserem Hof entfernt. Im Frühjahr 1945 wurde ich in Bülstringen, mit Schiefertafel, Griffel und Schwamm, eingeschult. Nach Kriegsende zogen wir wieder nach Magdeburg.
Als Schüler begeisterten mich im Magdeburger Kristallpalast eine Vorführung von Saalflug-Modellen. Die mit Gummimotor angetriebenen Flugmodelle kreisten minutenlang lautlos im Saal, was mich sehr begeisterte. Ab 1956 begann ich dann am Flugplatz Magdeburg mit der Segelflugausbildung. Mein Fluglehrer war Kurt Maus und der Flugplatzleiter war Erich Körner.
Danach absolvierte ich eine Umschulung auf die MIG-19 auf dem Flugplatz Preschen bei Forst Lausitz.
1961 kurz vor dem Mauerbau verließ meine jüngere Schwester die DDR. Ich durfte nicht mehr an Flugzeugen arbeiten und auch nicht mehr Segelfliegen.
Meine Entlassung 1961 aus der NVA wurde verschoben, aufgrund der damaligen Weltlage. Ich wurde als Kommandeursfahrer (hier Wolfgang Gleis) eingesetzt.
Obwohl ich also bei der GST für das Segelfliegen gesperrt war, konnte ich 1962 auf dem Flugplatz Magdeburg bei der Lufthansa Agrarflug anfangen.
Als ich zum Flugplatz Magdeburg kam, traf ich meinen ehemaligen Fluglehrer und der Stützpunktleiter, die nun bei der neu gegründeten Gesellschaft Agrarflug Magdeburg der Lufthansa verantwortlich arbeiteten. Sie schlugen mir vor, dass ich mich ebenfalls dort bewerbe. Und das tat ich erfolgreich. Ich wurde Spezialmechaniker für Streu- und Sprühtechnik der Agrarflugzeuge AN-2 und L-60.
Damit begannen meine ereignisreichen 29 Jahre im Agrarflug.
Quelle: Bild und Text: Helmut Witte